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Kramsky2018-08-15T20:14:21+00:00

Kramsky

Mehr Licht, das sind zwei berühmte letzte Silben aus der Dunkelheit. Zuviel Licht! Klagt Kramsky gleich im Albumtitel. Und auch in einer Zeile im Opener „Jobs und Geld“, der den Weg vorgibt. „Alles ist gut so, alles ist okay. Keiner merkt was, das ist das System“, raunzt Sänger Jimi Berlin, eher sympathisch desillusioniert als wirklich schlecht gelaunt. So lange die Maschine läuft, ist die Schicht noch nicht zu Ende. Nur das In-Frage-Stellen hört nie auf, es darf nicht, die Suche endet nie. Oder erst, wenn der letzte Refrain ausfadet.

„Weil wir ganz hoch oben und unter Wasser nicht finden, was wir wollen, machen wir einfach weiter, bis nichts mehr kommt.“ So singt er im großartigen „Unter Wasser“, dem elften und letzten Song des ersten Kramsky-Albums.

Und dazwischen? Wird gelebt, gelitten, gefeiert. Findet man sich wieder zwischen Theke und Tanzfläche, unter Wasser oder auf der Autobahn liegend. Man kann ja auch jederzeit irre werden, hier und jetzt, wie der besungene „Autobahnmann“.

Kramsky – das ist Indierock mit deutschen Texten. Klar, da ist Postpunk drin, New Wave, da gibt es Pop-Momente und überall schwirrt die Erfahrung von Leidenschaft von Musikern, die nicht erst 2005 ihre Indie-Sozialisation feierten. Bei fantastischen Refrains wie in „Komplett“ oder „Nerven“ , die nach großer Bühne schreien,  mit Rockgitarren und zackigem Bass, mit Verve, mit Wucht und Leidenschaft. Elf Songs, die ganz ohne „Schon mal gehört“ oder „Klingt wie…“ auskommen, und die selbst beim zehnten Hören noch hinzugewinnen. Ein Album ganz ohne Weiterskip-Songs. Das muss man 2018 erst mal hinbekommen.

Bereits 2014 hat die in Trier beheimatete Band in gleicher Besetzung das Album „Decoder“ veröffentlicht – damals noch unter dem Namen Herr Berlin, der 2016 gegen das griffigere Kramsky ausgetauscht wurde. Zuviel Licht legt die Latte noch einmal höher: Ein Album, wie gemacht für ein großes Indierock-Revival. Eins, das kommt und bleibt.  (Andreas Feichtner)

Kramsky sind: Flextronic (Schlagzeug, Progammierung). Florian P. Stiefel (Bass, Gitarre), J. Berlin (Gesang, Gitarre), Jo Hansson (Gitarre, Bass)

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